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Ich bin ehrlich gesagt kein großer Basilikum-Fan. Eine einzelne Blatt auf den Nudeln, das reicht mir meistens schon. Trotzdem steht bei mir jedes Jahr Basilikum im Garten, und das aus einem ganz praktischen Grund: Er ist ein guter Nachbar für Tomaten, er duftet herrlich, sobald man ihn nur streift, und auf dem Balkon braucht er kaum Platz. Wer also auch nur ab und zu frische Blätter mag, hat allen Grund, ihn anzubauen.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Basilikum auf dem Balkon erfolgreich kultivierst, warum die gekauften Töpfe so schnell eingehen und wie du das verhinderst, und wie du durch richtiges Ernten lange etwas von deiner Pflanze hast.
Warum gekauftes Basilikum so schnell stirbt
Fast jeder kennt das: Man kauft im Supermarkt einen üppigen Topf Basilikum, stellt ihn auf die Fensterbank, und nach einer Woche hängt alles schlapp herunter. Das liegt nicht an dir. In so einem Topf stecken oft zwanzig oder mehr junge Pflanzen dicht an dicht. Sie wurden im Gewächshaus auf schnelles Wachstum getrieben und konkurrieren auf engstem Raum um Wasser, Licht und Nährstoffe. Dieser Topf ist für den schnellen Verbrauch gedacht, nicht für ein langes Leben.
Die gute Nachricht: Mit einem einfachen Handgriff machst du aus diesem Wegwerf-Topf mehrere kräftige Pflanzen, die dir die ganze Saison erhalten bleiben.
Mein Trick mit dem Supermarkt-Topf
Bei uns in Frankreich verkauft Lidl im Frühling und Sommer genau solche Töpfe mit Erde und mehreren Basilikum-Pflänzchen. Statt den Topf so zu lassen, teile ich ihn auf. Das geht so:
Zuerst die Erde gut durchfeuchten, am besten den ganzen Topf für ein paar Minuten in Wasser stellen. Eine feuchte Erde lässt sich viel leichter lösen, ohne dass die feinen Wurzeln abreißen.
Dann den Wurzelballen vorsichtig herausnehmen und in kleine Gruppen von zwei bis drei Pflänzchen auseinanderziehen. Nicht einzeln, das wäre zu zerbrechlich, sondern in kleinen Büscheln.
Jede Gruppe pflanzt du dann mit Abstand neu ein, entweder in eigene Töpfe oder verteilt in einen größeren Kasten. Etwa eine Handbreit Platz zwischen den Gruppen reicht. So bekommt jede Pflanze endlich Luft, Licht und genug Wurzelraum.
Aus einem einzigen gekauften Topf werden auf diese Weise schnell sechs bis acht eigenständige Pflanzen, die kräftig nachwachsen statt einzugehen.
Standort und Erde
Basilikum stammt ursprünglich aus warmen Regionen und liebt entsprechend Sonne und Wärme. Ein Platz mit mindestens sechs Stunden Sonne pro Tag ist ideal, etwa ein Süd- oder Westbalkon. Kalte Zugluft und Nächte unter zehn Grad mag er gar nicht.
Genau deshalb solltest du Basilikum draußen erst ab Mitte Mai aufstellen, also nach den Eisheiligen. In milderen Lagen wie dem Rheintal oder dem Wiener Becken kannst du etwas früher dran sein, in raueren Gegenden wie Bayern, Tirol oder dem Schweizer Voralpenraum lieber eine Woche länger warten. Solange die Nächte noch kühl sind, fühlt er sich auf der Fensterbank drinnen wohler.
Bei der Erde brauchst du nichts Besonderes. Normale Kräuter- oder Pflanzerde tut es. Wichtiger ist, dass der Topf ein Abzugsloch hat, denn Staunässe verträgt Basilikum überhaupt nicht.
Richtig gießen
Das Gießen ist der Punkt, an dem die meisten Basilikum-Pflanzen scheitern. Er will es gleichmäßig feucht, trocknet die Erde aber komplett aus, lassen die Blätter sofort die Köpfe hängen. Andererseits bringt ständige Nässe die Wurzeln zum Faulen.
Am besten gießt du regelmäßig und eher von unten, also Wasser in den Untersetzer, das die Pflanze sich nach Bedarf hochzieht. Überschüssiges Wasser nach einer halben Stunde abgießen. Die Blätter selbst solltest du möglichst trocken halten, das beugt Pilzkrankheiten vor. An heißen Sommertagen kann tägliches Gießen nötig sein, an kühlen Tagen reicht weniger.
Richtig ernten, damit die Pflanze nachwächst
Hier machen viele den entscheidenden Fehler: Sie zupfen unten die größten Blätter ab und lassen den Stängel nach oben weiterwachsen. Die Pflanze schießt dann in die Höhe, wird kahl und beginnt bald zu blühen, danach lässt das Aroma stark nach.
Besser machst du es genau umgekehrt. Schneide oder kneife immer oberhalb eines Blattpaares ganze Triebspitzen ab. An dieser Stelle bildet die Pflanze dann zwei neue Triebe, sie wird also buschiger statt länger. So erntest du regelmäßig und hast gleichzeitig eine vollere, kräftigere Pflanze. Je öfter du auf diese Weise erntest, desto besser wächst der Basilikum nach.
Wenn sich Blütenknospen zeigen, knipse sie früh ab. Sobald die Pflanze blüht, steckt sie ihre Energie in die Samen und nicht mehr in die Blätter.
Wenn du eine Pflanze dennoch blühen lässt, kannst du übrigens leicht eigenes Saatgut gewinnen: Basilikum lässt sich gut aus Samen ziehen und keimt bei Wärme zuverlässig innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen. Wer von Anfang an selbst aussäen möchte, findet in meinem Beitrag welches Saatgut kaufen eine Orientierung, worauf es bei der Wahl ankommt.
Ein guter Nachbar für Tomaten und Gurken
Basilikum gilt als klassischer Begleiter für Tomaten, und das nicht nur in der Küche. Viele Gärtner berichten, dass er das Aroma der Tomaten verbessern und Schädlinge wie Blattläuse und die Weiße Fliege ein Stück weit fernhalten soll. Auch Mücken und Fliegen mag er nicht, weshalb ein Töpfchen am Fenster oder neben dem Sitzplatz angenehm sein kann. Bei Gurken sagt man ihm sogar nach, dass er den Ausbruch von Mehltau etwas verzögern soll.
Anders als die Minze auf dem Balkon, die sich am wohlsten allein im Topf fühlt, ist Basilikum also ein geselliges Kraut, das sich gut zwischen Gemüse einreihen lässt.
Ein ehrliches Wort dazu: Diese Effekte sind in der biologischen Gartenpraxis seit Langem bekannt und vielfach beobachtet, wissenschaftlich aber nicht in jedem Punkt eindeutig belegt. Schaden tut die Kombination jedenfalls nicht, im Gegenteil, sie nutzt den Platz gut und sieht schön aus. Wenn du ohnehin Tomaten oder Gurken auf dem Balkon ziehst, ist ein Topf Basilikum daneben eine sinnvolle und hübsche Ergänzung.
Über den Sommer hinaus
Basilikum ist nicht winterhart. Spätestens die ersten frostigen oder dauerhaft kalten Nächte beenden seine Saison im Freien. Wer mag, holt rechtzeitig vorher einen kräftigen Topf herein und stellt ihn an ein helles Fenster bei rund 15 bis 20 Grad. Mit etwas Glück treibt er nach einem Rückschnitt noch einmal aus.
Wenn am Ende der Saison mehr Blätter da sind, als du frisch verbrauchen kannst, lassen sie sich gut konservieren. Am einfachsten ist Einfrieren, zum Beispiel klein geschnitten in Eiswürfelformen mit etwas Wasser oder Öl. So hast du auch im Winter etwas vom Sommerduft.
Häufige Fragen
Warum wird mein Basilikum gelb? Meist steckt zu viel oder zu wenig Wasser dahinter. Gelbe Blätter bei nasser, schwerer Erde deuten auf Staunässe und faulende Wurzeln hin. Gelbe Blätter bei trockener Erde umgekehrt auf Wassermangel. Auch Nährstoffmangel kann eine Rolle spielen, wenn die Pflanze lange im selben kleinen Topf steht.
Kann ich Basilikum drinnen auf der Fensterbank halten? Ja, ein helles, warmes Fenster funktioniert gut, besonders im Frühling und Herbst. Achte nur auf genug Licht, an einem dunklen Standort wird die Pflanze schnell lang und blass.
Muss ich die Blüten abschneiden? Wenn es dir um die Blätter geht, ja. Sobald Basilikum blüht, verändert sich der Geschmack und die Blattbildung lässt nach. Schneidest du die Knospen früh weg, bleibt die Pflanze länger ergiebig. Lässt du sie blühen, freuen sich immerhin die Bienen.
