Blick in das lichtdurchflutete Innere eines leeren Gewächshauses im Garten, bereit für die neue Anbausaison.

Gewächshaus-Anbaukalender: was du wann pflanzen kannst

Dank meines Gewächshauses gewinne ich jedes Frühjahr einen wertvollen Monat: meine Tomatenaussaat startet schon Anfang März, statt erst Mitte April im Freien. Das gilt zumindest bei mir, im milden Westen Frankreichs (ozeanisches Klima, vergleichbar mit dem Niederrhein). Aber Vorsicht: ein Gewächshaus ist auch unter günstigen Bedingungen kein „Frühlings-Knopf“. Die Sonne erwärmt zwar die Luft unter Glas blitzschnell, der Boden behält die Winterkälte aber noch deutlich länger. Das Gewächshaus ist ein fantastischer Wachstumsbeschleuniger, es ersetzt nicht den natürlichen Rhythmus der Erde.

Dieser Artikel zeigt dir Monat für Monat, wie sich das Jahr unter Glas entfaltet, ohne die ausführlichen Anbauanleitungen pro Kultur zu ersetzen (Tomaten, Gurken und Zucchini haben jeweils einen eigenen Artikel). Wichtig vorab: ich unterscheide zwischen Kaltgewächshaus (unbeheizt, im Winter friert es innen) und frostfreiem Gewächshaus (beheizt, bleibt knapp über Null). Wenn ich nichts anderes dazusage, meine ich im Kalender ein unbeheiztes Kaltgewächshaus, das ist der häufigste Fall bei Hobbygärtnern.

Grob gesagt: die Saison startet im März mit Radieschen, Spinat und Pflücksalaten. Ab Mai, nach den Eisheiligen, kommen Tomaten, Gurken, Paprika und Co. dazu. Ab September geht es weiter mit Wintersalaten, Feldsalat und Asia-Greens. Juli und August sind vor allem Pflegemonate.

MonatIm Kaltgewächshaus
Januar/FebruarPause (Vorzucht im Haus möglich)
MärzRadieschen, Spinat, Pflücksalate, Kohlrabi, frühe Erbsen
Aprilerste Gurken-Direktsaat (bei 14 °C Bodentemperatur), frühe Salate
Mai (nach Eisheiligen)Tomaten, Gurken, Paprika, Chili, Auberginen, Melonen
Juni bis AugustPflege, im Juli/August Wintersalate vorziehen
SeptemberFeldsalat, Spinat, Pak Choi, Asia-Greens, Winterportulak
Oktoberletzte Feldsalat-Jungpflanzen
November/Dezembernur noch ernten und schützen

Januar und Februar

Im Kaltgewächshaus sind Januar und Februar ruhige Monate. Der Boden ist kalt, oft nahe Null Grad, das Licht zu kurz für aktives Wachstum. Direktaussaaten ins Beet machen jetzt noch keinen Sinn.

Anders sieht es bei einem frostfreien Gewächshaus oder mit zusätzlicher Beheizung aus. Ab Anfang Februar kannst du langsam wachsende Kulturen wie Paprika, Chili und Auberginen vorziehen. Diese brauchen zehn bis zwölf Wochen bis zum Auspflanzen, ein früher Start im Haus oder auf einem beheizten Anzuchtstisch lohnt sich also. Die jungen Pflanzen kommen erst später in das eigentliche Gewächshaus, wenn die Temperaturen mitspielen.

März

März weckt das Kaltgewächshaus auf. Sobald die Sonne tagsüber die Hülle erwärmt und der Boden in der Nacht nicht mehr durchfriert, kannst du die ersten kälterobusten Kulturen direkt ins Beet säen: Radieschen, Spinat, Feldsalat für die Frühjahrsernte, Pflücksalate, Kohlrabi, frühe Erbsen.

Die Beetvorbereitung gehört zur Arbeit dieses Monats. Locker umgraben, Kompost einarbeiten, etwas Hornspäne für die langsame Stickstoffversorgung. Die detaillierte Düngung findest du in unserem Artikel zur Tomatendüngung, die Logik gilt für die meisten Starkzehrer im Gewächshaus gleichermaßen.

Im beheizten Gewächshaus werden die im Januar vorgezogenen Paprika und Chili jetzt pikiert. Bei späten Nachtfrösten lohnt sich eine Vliesabdeckung über den Jungpflanzen, auch innerhalb des Gewächshauses.

April

April ist der Wendepunkt. Das Gewächshaus nimmt richtig Fahrt auf. Im frostfreien Gewächshaus kannst du gegen Ende des Monats die ersten Tomaten auspflanzen, sofern der Boden mindestens zwölf Grad erreicht hat. Eine Bodenthermometerprobe ist hier verlässlicher als das Bauchgefühl, denn die Lufttemperatur täuscht oft. Im unbeheizten Kaltgewächshaus ist das für Tomaten meist noch zu früh, hier wartest du bis Mitte Mai.

Gurken können ab Mitte April direkt ins Beet gesät werden, sofern die Bodentemperatur stabil über vierzehn Grad liegt. Dazu kommen frühe Kohlrabi, Salatköpfe, Petersilie und Schnittlauch.

Im Kaltgewächshaus solltest du mit den wärmeliebenden Kulturen noch warten. Bis Ende April läuft die Aussaat der kälterobusten Sorten weiter. Erste Ernten von Radieschen und Babyleaf-Salaten sind möglich.

Dieser Monat verändert den Rhythmus: vom verhaltenen Vorfrühling hin zur eigentlichen Saison.

Mai

Der zentrale Monat. Nach den Eisheiligen (11. bis 15. Mai) ziehen alle wärmeliebenden Kulturen ins Gewächshaus ein: Tomaten (in Österreich auch Paradeiser genannt), Gurken, Paprika, Chili, Auberginen, Melonen, und Zucchini, falls du sie unter Glas startest.

Die genauen Pflanztermine und Techniken pro Kultur findest du in unseren spezifischen Artikeln :

Regionale Anmerkung für die DACH-Region: In rauen Lagen wie Tirol, Allgäu oder den Schweizer Voralpen lohnt es sich, sieben bis zehn Tage später zu pflanzen. Im Wiener Becken oder im Rheintal kannst du ein paar Tage früher loslegen.

Gute Nachbarn unter Glas: Basilikum neben Tomaten, Dill neben Gurken. Zur häufigen Frage, ob Tomaten und Gurken zusammen ins Gewächshaus dürfen: technisch geht das, ihre Bedürfnisse an Luftfeuchtigkeit unterscheiden sich aber deutlich. Die ausführliche Antwort steht in unserem Artikel zu den guten und schlechten Nachbarn der Gurke.

Juni bis August

Im Hochsommer ist die Saison voll im Gang. Die Pflanzungen sind weitgehend abgeschlossen, der Schwerpunkt verschiebt sich auf die Pflege: regelmäßiges Ernten, intensives Lüften (besonders während Hitzewellen), bodennahes Gießen, Ausgeizen der Tomaten, bei Bedarf Schattieren. Die ausführliche Pflege im Sommer findest du in unserem Artikel zum Lüften, Gießen und Schattieren.

Trotzdem gibt es auch in diesen Monaten Aussaaten. Im Juli und August kannst du die ersten Wintersalate vorbereiten: Feldsalat für den Herbst, Asia-Salate, Winterportulak, Chinakohl, Pak Choi. Je nach Kultur säst du direkt aus oder ziehst in Töpfen vor. Bei großer Sommerhitze keimen viele Salate übrigens zuverlässiger im halbschattigen Anzuchtraum als im überhitzten Gewächshaus. Die jungen Pflanzen kommen dann im September ins Beet, sobald die Sommerkulturen Platz machen.

Achte in dieser Zeit auf gewächshausspezifische Schädlinge: Spinnmilben in trockener Hitze (erkennbar an feinen hellen Sprenkeln auf den Blättern), Weiße Fliegen (steigen in kleinen Wolken auf, sobald du die Pflanzen berührst), Grauschimmel bei zu hoher Luftfeuchtigkeit. Vorbeugung passiert vor allem über konsequentes Lüften .

September

Der zweite Schlüsselmonat des Jahres. Die Sommerkulturen laufen aus, letzte Tomaten, Gurken und Paprika Anfang bis Mitte September. Sobald ein Beet frei wird, ziehen die Herbst- und Winterkulturen ein: Feldsalat, Winterportulak, Wintersalate wie Endivien und Radicchio, Pak Choi, Asia-Greens, Spinat, Mangold.

Spätradieschen und Rucola lassen sich noch direkt säen.

September ist auch der richtige Moment, um über Fruchtfolge nachzudenken. Tomaten, Paprika und Gurken sollten im nächsten Jahr nicht auf demselben Beet stehen. Wenn der Platz im Gewächshaus knapp ist, hilft eine Rotation in andere Beete oder eine Topfkultur weiter.

Oktober

Die letzten Pflanzungen vor dem Winter. Das Kaltgewächshaus wird langsam zum Schutzraum statt zur Wachstumskammer. Bis Mitte Oktober kannst du noch Feldsalat-Jungpflanzen setzen, in milderen Regionen auch etwas später. Kübelpflanzen werden mit Mulch oder Vlies eingewickelt, wenn die Nächte kühl werden.

Sommerkulturreste werden entfernt, Tomatenstäbe und Rankgitter ausgebaut und gereinigt.

Der aktive Pflanzkalender klingt langsam aus. Die Vorbereitung auf den Winter beginnt. Das vollständige Winterprogramm (heizen oder nicht, welche Kulturen wirklich resistent sind, Reinigung, Desinfektion) liest du in unserem Artikel zum Gewächshaus im Winter.

November und Dezember

Das Gewächshaus wird zur Schutzhülle für die bereits eingebrachten Winterkulturen. Im Kaltgewächshaus sind jetzt normalerweise keine neuen Pflanzungen mehr sinnvoll. Geerntet wird bedarfsorientiert: Feldsalat, Spinat, Wintersalate und Asia-Greens halten sich unter Glas oft bis weit in den Winter.

Für die Pflege im Winter siehe unseren Artikel zum Gewächshaus im Winter.

Mit dem richtigen Kalender zur ganzen Gewächshaussaison

Drei Prinzipien zum Mitnehmen. Erstens, das Gewächshaus verlängert die Saison an beiden Enden: Mai und September sind die zwei zentralen Übergangsmonate. Zweitens, was du wann pflanzen kannst, hängt entscheidend davon ab, ob dein Gewächshaus beheizt ist oder nicht. Drittens, für die konkreten Daten und Techniken jeder Kultur lohnt sich der Blick in den jeweiligen Spezialartikel (Tomaten, Gurken, Zucchini).

Für den großen Überblick zur Nutzung eines Gewächshauses lohnt sich der Pfeilerartikel, für die saisonale Pflege der entsprechende Beitrag zum Lüften, Gießen und Schattieren, und für die kalte Jahreszeit der Winterartikel.

Eine letzte Empfehlung für das erste Jahr: Füll das Gewächshaus nicht von Anfang an bis unters Dach. Weniger ist mehr im geschlossenen Raum. Ausreichend Abstand bedeutet besseres Klima, gesündere Pflanzen und einfachere Diagnose, wenn doch einmal etwas schiefläuft.